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Jens Kirchhoff
watch afficionado
vintage computer collector
design friend
cuban cigar smoker
love skiing in the alps
hobby photagrapher and video fan since super 8 in the 70s
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Als Hochschullehrer an einer Fachhochschule bin ich einerseits von einem Trend des Abbaus von Bildungsleistung durch den Staat betroffen als auch Insider des Systems. Daher sollen hier einige Themen in lockerer Folge zur Diskussion gestellt werden unter der Überschrift..
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Hochschulbildung auf dem Rückzug
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Anspüche an Bildung / Befund des Systems
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Die Ansprüche an das Bildungssystem sind einerseits historisch geprägt: Es gab sie (zu unseren Lebzeiten) vom Staat und kostenlos. Andererseits träumen immer wieder neu Bildungspolitiker und -experten (,die sich jednfalls dafür halten,) von einer “effektiveren” Bildung, einer “Entrümpelung” und “Verdichtung” von Stoff und fleißigeren Lehrern, kurz einem billigeren System, das nicht nur dasselbe leistet, sondern in “Qualitätsoffensive geht” und sogar in “Exzellenz” international mithalten kann.
Die Fakten über die Ressourcen sprechen eine klare Sprache: (Zitate Prof. Dr. Kurt Figura/ Universitätspräsident Göttingen in “factor” 02/2008) “Momentan gehört keine deutsche Hochschule zu den 50 besten Universitäten weltweit.” “Die Lehrbelastungen sind so hoch, dass Wissenschaftlern zu wenig Zeit für Forschung bleibt. Zugleich kommen 50 und mehr Studierende auf einen Hochschullehrer.” Wir bräuchten mindestens das zwei- bis Dreifache der jetzigen Mittel. ... Damit lägen wir allerdings noch unter dem internationalen Durchschnitt...(wie ETH Zürich)..-von Harvard oder Yale rede ich gar nicht.” “So hat das Land Niedersachsen seit 1995 seine Mittel um über 15% des Gesamtbudgets der Universität abgesenkt.” Die Mittel der Exzellenzinitative (17,5 Mio€/Jahr bis 2012) gehen zu 80% in zusätzliches wissenschaftliche Personal, um 10 hervorragenden Nachwuchsforschern ein Deputat von 2 Stunden pro Semester zu ermöglichen, was die Forschung erst effektiv ermöglicht und der Lehre dieser 2 SWS guttut.
Jeder gebeutelte Steuerzahler ist geneigt, sich hinter die Politik zu stellen und den Schuldenabbau auch durch Abbau der Bildungssausgaben zu erreichen, damit die Steuern niedriger werden. Dies ist zur Zeit ja massiv der Fall und die Bildungseinrichtungen leiden an allen Ecken und Enden, da die Leistungen entsprechend schlechter werden: Überfüllte Räume, schlechteres Betreuungsverhältnis, ausfallende Wahlfächer, Kürzung von Laborunterricht und Schließung von Laboren (nicht wegen Geldmangels sondern wegen der Reduzierung des Bachelor-Lehrplanes gegenüber dem früheren Diplom). Der Hochschulbau ist - bis auf einige Neubauten von Prestigeinstituten - gestoppt. Die gedeckelte Gehältersumme und die verhandelten hohen Eingangsgehälter für neu Berufene wird von dem vorhandenen wissenschaftlichen Personal finanziert: Die Zulagen fallen nach Haushaltslage (gering) aus.
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Was kostet Bildung/Lehre , was leistet sie? Was darf sie kosten, was kann sie leisten?
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Träumen wir doch mal von dem “Besten Bildungssystem aller Zeiten”, machen wir doch einmal ein brainstorming, das den Idealzustand einer Hochschule beschreibt:
Der (FH-)Professor hat ein Sekretariat und Forschungspersonal sowie Personal zur Unterstützung der Lehre und Laborpersonal. Die Forscher sind mit 4 Stunden in der Lehre tätig. Die Fächer sind aus ihrem ureigenen Forschungsgebiet und zeigen die aktuellsten Entwicklungen und das Spezialwissen auf. Das Lehrpersonal kümmert sich um die Recherchen in Fachzeitschriften, neuen Büchern und Medienkatalogen. Hier werden Lehrfolien nach Skizzen des Professors/ der Professorin angefertigt, die Medien bestellt, installiert für den Unterricht vorbereitet sowie im Vorlesungssaal auf- und abgebaut und in eines der reichlich vorhandenen Lagerräume mit reichlich vorhandenen Schränken archiviert. Die Vorlesung besteht aus einer professionellen Show mit Beispielteilen, Simulationen, Videos und ablaufenenden Maschinen und Vorrichtungen sowie Versuche vorlesungsbegleitend. Für alle Vorbereitungen und Nach-/Aufbereitungen steht Personal zur Verfügung; der Professor gitbt die Visionen vor, das Budget reicht für die besten Beamer, Touch-Pad-Systeme, Sprech- und Verstärkeranlagen, Verdunklungssysteme, für deren Bedienung ebenfalls dieses Personal zuständig ist. Die Tafel wird auch eingesetzt, aber jetzt macht das Mitschreiben richtig Spaß. (Abwischen jeder Tafel nach jeder Vorlesung durch Hauspersonal finanziert, damit der teure Professor nicht mit billiger Arbeit belastet ist.) Alle Räume sind hell. freundlich, mit bequemen Sitzen edleren Stoffbezuges in freundlichen Farben ausgestattet. Leicht verschlissenes Mobiliar wird sofort gegen neues ersetzt. Verschmutzungen werden an Mobiliar und Wänden sofort und rückstandslos entfernt bzw. über gestrichen. Säle für mehr als 20 Personen sind klimatisiert. Die Bewegungsfreiheit in den Laboren ist vorbildlich (Platz) und ein angegliederter kleiner Seminarraum ermöglicht, von den Versuchen kurz weg zu gehen und einen kleinen Vortrag zum Thema einzuschieben. Dieser Raum hat ebenfalls Beamer, Verdunkelung und Archiv für Beispiele und Medien. Für Besuche von Messen, Tagungen und Firmen/instituten, um den Anschluss an die Entwicklungen zu halten stehen den Professor(in)en pro Semester 2 Wochen zur Verfügung (=10 Tagesreisen), das Geld ohnehin. Für exteren Vorträge sind explizit 5 Tage angesetzt im Deputat. Ein Auslandssemester pro 5 Heimsemsester. Für das Lehrpersonal steht individuell ein Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes zur Verfügung; eine Rampe , Fahrstuhl usw. sind für Materialtransporte in jedem Gebäude. Für die Versendung von Dokumenten etc. ist ein Rohrpostsystem oder Botendienst installiert. Internet mit WLAN, Videotelefone (Skype) und -konferenz etc. sind selbstverständlich. Für Studierende gibt es pro Vorlesungsstunde immer auch eine Übungsstunde. Für 20% der profilprägenden Fächer einer Fakultät wird ein Projekt erstellt und von Hochschulpersonal betreut. Für die 30% schwachen Studierenden werden pro Woche noch einmal 10 Stunden Nachhilfeunterricht organisiert (Raum, Personal).
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Ja spinnt denn der? Das kann doch keiner bezahlen!? Mag sein; aber keiner stellt sich hin und sagt: “Wir machen eine Sparbildung. Alles wird weniger, auch bei der Bildung sind Abstriche fällg. Geld ist alle.” Niemand sagt “Eine Qualitätsverbesserung kostet auch mehr Geld, denn die Quantitäten müssen entsprechend steigen.” Bildung kann man nicht rationalisieren: Ein Lehrer kann persönlich betreuen. Das Buch lesen ist billiger, im Internet nachlesen fast kostenlos. Meine Frage lautet also “Spinnen die Spinner in den oberen Entscheideretagen?” Nein, das Kalkül ist: Von Qualitätsverbesserung reden und eisern Sparen hinter dem Vorhang. Das Publikum klatscht und die Bildung ist im Eimer.
Noch ein drastischer Vergleich: Sie/Ich/wir zahlen alle 204,36 € pro Jahr für den öffentlichen Rundfunk/Fernsehen (GEZ). Haben Sie einmal gesehen, welcher Aufwand getrieben wird, um eine Szene von 10 Sekunden bis eine Minute Fernsehfilm zu fertigen? Anfahrt eines Teams von mindestens 10 Personen, Audio- und Video-Ausrüstungen, wo eine Kamera ab 10000€ kostet. Ein Lastwagen mit sündhaft teurem Beleuchtungsmaterial (Scheinwerfer/ Reflektoren/ Abdecker/ Hintergründe/ Stative). Aufbau 2 Stunden, Verlegen von Schienen für den Kamerawagen, Schminken der Schauspieler und Einkleiden, Beleuchtung aufbauen, Audio einmessen, Sprechproben, Zuschauer vertreiben usw. usw. Natürlich wollen wir ein tolles Bild, einen tollen Schnitt, ein tolles Licht und einen tollen Ton, schlicht das, was wir präsentiert bekommen. Das ist das Beste. Aber es ist auch das Teuerste und wird nicht in Frage gestellt. Ich mache Ihnen das mit einem Billigcamcorder, einer alten Projektionswand und zwei Baustrahlern auch. Dann ist es billiger, aber keiner will das ernsthaft akzeptieren. Nur bei der Bildung wird für Billiggeld eine Profileistung erwartet. Wollen Sie das? Darf es für Bildung nicht auch mehr sein, um mal wieder ordentlich professionelles Licht ins Dunkle des Wissens zu bringen?
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Studenten fühlen sich von Universität vernachlässigt
VDI-N, 15. 12 2006.
Klamme deutsche Hochschulen stecken Geld in Forschung zur (internationalen) Hebung der Reputation: überfüllte Hörsäle, schlechtes Betreuungsverhältnis, Numerus Clausus= Beschränkung der Studienplatzkapazität. Universitäten (auch Elite~) sind unterfinanziert.
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TU München
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ETH Zürich
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Harvard
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England
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Budget/Jahr incl. Drittmittel
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415 Mio €
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1150 Mio €
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2600 Mio €
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Defizit jährlich (2006/2016)
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70 Mio €/180
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Ertrag! 49 M€
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Ertrag!
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Studentenzahlen
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20.500
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12.700
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20.000
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Professoren
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346
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350
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2200
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Student/Professor
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60
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36
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9
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Ausstattung/Studienplatz
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14.000 €
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43.000 €
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Studiengebühren/Jahr
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1000 €
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720 €
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32000 $
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4500 £
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Benchmark Dez.2006
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